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    September 2015 : Bundesimmissionsschutzgesetz "1. BImSchV"

    Oktober 2015 : Mit Prügeln zur Biomasse bei steter Holznoth

     

      

    Thema September 2015: Bundesimmissionsschutzgesetz "1. BImSchV"

    Viele unserer Privatkunden haben Fragen zur Verordnung über kleine und mittlere Feuerungsanlagen, gekürzelt auch 1.BImSchV genannt. Das klingt am Telefon dann auch mal so: "Was ist eigentlich das mit dem Bimmschbums?"

    Die Erste Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes soll bei Privathäusern den Betrieb von Feuerungsanlagen, also zumeist von Heizkesseln, regeln und vor allem die Immission von Schadstoffen in die Luft begrenzen sowie einen effizienten Energieverbrauch fördern. Dies Gesetz ist also ein Element des staatlich verordneten Umweltschutzes. In diesem Monat ist eine Änderung des 1.BImSchV in Kraft getreten. Nachdem die letzten Änderungen zumeist eine konkrete Vorgabe für die Immissionen beinhalteten und bei vielen Altkesselbesitzern ungute Vorahnungen entstehen ließen, bringt die aktuelle Änderungen nur ein sich entspannendes Lächen. Denn sie beinhaltet nur die Namensänderung des Ministeriums in "Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit".

    Weniger entspannt lächeln Kesselbesitzer, wenn es um die Abgaswerte für ihre Kesselvariante geht. Da gibt die 1. BimSchV in ihren Paragraphen 4-11 sehr konkrete Emissionsgrenzwerte für Staub und Kohlenstoffmonoxid (CO) von zentralen Kesseln (nicht von Einzelraumverfeuerungsanlagen wie einen Küchenofen) vor. Wir haben die Werte für Sie in einer Tabelle zusammengestellt.

    Tabelle_Grenzwerte_BImSchV

    Was diese Zahlen für Sie bedeuten, wenn Sie bereits seit Jahren oder neu mit festen Brennstoffen heizen und Warmwasser herstellen, das können wir gerne in einem persönlichen Gespräch thematisieren. Sicher ist: Sie kommen nicht drum herum, Ihre Anlage diesen Werten anzupassen und ggf. auch zu erneuern. Sie müssen Ihre Anlage vor der Inbetriebnahme von einem Schornsteinfeger kontrollieren lassen oder zumindest sein "ok" für den Typ und die Installationskomponenten erfragen - wir empfehlen, diesen am besten auch bereits in die Planung mit einbeziehen. Die wiederkehrende Messung der Abgaswerte durch den Schornsteinfeger ist eine gute Gelegenheit, Ihre Pläne für die (teilweise) Erneuerung der Heizungs-/Brauchwasseranalge zu besprechen.

      

     

    http://www.haustechnikonline.de/Archiv-unserer-Themen-des-Monats#102015">Thema Oktober 2015: Mit Prügeln zur Biomasse bei steter Holznoth

    Zur Entspannung: weder unsere Kunden noch wir beziehen Prügel oder teilen solche aus. Wir schätzen das freundliche Miteinander als Ihr Shop für Heizungs-, Solar- und Sanitärtechnik. Den Prügel beziehen wir auf den altdeutschen Ausdruck für Stock oder Astknüppel, einer der ältesten Biomasse-Brennstoffe der Menschheit. Die Herkunft des Wortes ist spannend und ein guter Einstieg in das Thema des Monats Oktober. Wir wünschen viel Freude beim Lesen!

    holzpruegel

    Die Worteltern des Prügels stammen aus dem Mittelhochdeutschen. Dort bezeichnete "Brüge" eine Brücke aus Rundbalken. "Brügeln" bedeutete, eine Brücke mit Rundholzabschnitten zu belegen und diese mit Schwung zu befestigen. Dieses muskelstarke Brügeln mit dicken Ästen und Stammabschnitten wurde dann zu Prügeln im Sinne von Schläge oder Hiebe austeilen.

    In Thüringen gab es geschichtlich schon immer viele Prügel wegen großer Waldflächen und da die Menschen hinter haustechnikonline.de waldechte Thüringer sind, haben wir genauer hingeschaut. Es waren zwar nicht nur die direkten Thüringer Vorfahren, die entdeckten, dass Holz und Torf als Brennstoffe genutzt werden können; diese ? warmen Brei, Waffen und gesunde Behaglichkeit bringende ? Innovation ist bereits mehrere 100.000 Jahre alt und war die Grundlage für unsere Zivilisation. Aber die ersten Schritte der Verfeinerung der energetischen Holznutzung mittels Holzkohleproduktion in Köhlereien, die verdanken wir unseren Entdeckern aus dem 11. Jahrhundert. Seit dem wuchs Bedarf an Holz zur Energiegewinnung und seit dem (also rund tausend Jahre lang!) wurde auch die Angst geschürt, dass mit dem Wirtschaftswachstum und technischem Fortschritt sowie auch durch die vielen Armen, die auf Holzspenden angewiesen waren, die Nachfrage nach Energie durch die Biomasse Holz nicht gedeckt werden kann, im Klartext: es gibt mehr Feuer als Bäume wachsen, wir kommen in Holznoth!

    So schreibt Otto Kius (1868, S. 83):
    ?So weit die Nachrichten über den Zustand der Wälder Thüringens im sechszehnten Jahrhundert zurückreichen, so alt sind die Klagen über das »unpflegliche Vorhauen« und die überall sichtbare Verwüstung der Wälder, sowie die Befürchtungen vor demnächst eintretender Holznoth. Die Prophezeiung, welche man Luther und Melanchthon in den Mund legte, dass noch vor dem jüngsten Tage an guten Freunden, guter Münze und wildem Holze grosser Mangel werden würde, schien wenigstens in Bezug auf den letzten Punkt ihrer Erfüllung nahe zu sein. Trotzdem stieg die Consumtion bei der zunehmenden Bevölkerung, welcher man das Recht ihren Holzbedarf aus den landesherrlichen Forsten zu beanspruchen ebensowenig bestritt, als man sie durch Erhöhung der Holzpreise, welche seit Menschengedenken unverändert geblieben waren, zu einer Beschränkung des Holzverbrauchs hätte nöthigen wollen?

    Der ?seit Menschengedenken? unveränderte Brennholzpreis lag zu der damaligen Zeit bei 7 Reichsthalern für 100 Kubik-Fuß Scheitholz und Prügel kosteten 5,6 Rthlr.; Reisig- und Stockholz gab es schon für 3,8 Rthl pro 100 c?(Helferich, 1867, S. 27). Umgerechnet sind 100 Kubik-Fuß rund 3.100 Liter Holzscheite, was rund 3 heutigen Raummetern entspricht.
    Eine einfache Thüringer Arbeiterfamilie gab 12 Thaler pro Jahr für Brennholz aus, das waren 10% des Einkommens. Sie konnten sich also rund 7 ster Brennholz kaufen. Wenn Sie einen Scheitholzkessel für Warmwasser- und Heizungswasser betreiben, so werden Sie bei den heutigen Anforderungen an Komfort und Wärme eher zwischen 20 und 40 ster Scheitholz im Jahr benötigen. Bei einer guten Mischung aus Hart- und Weichholz kostet Sie das aktuell rund 1.300 € im Jahr. Das sind im Durchschnitt rund 3% des Jahreseinkommens einer Familie in Thüringen.
    Wir verbrauchen mehr Holz ? und das kostet uns im Vergleich weniger als es unsere UrUrUrgroßeltern kostete.
    Dennoch, es ist ein großer Markt: Der aktuelle Brennholzverbrauch in den Privathaushalten ist stark gestiegen und hat sich zwischen den Jahren 2000 und 2010 von 12 Millionen Festmetern auf rund 34 Millionen Festmetern fast verdreifacht. Der Anteil von Scheitholz aus dem Wald beträgt dabei 22 Mio. fm.

    Dieser steigende Bedarf ruft wieder die alten Gedanken der Holznoth herauf, die sich in der ?Umsatzentwicklung für die energetische Holzverwendung?, konkret gesagt in einem steigenden Preisniveau, widerspiegelt. Der Umsatz im Brennholzbereich (inklusive Holzbriketts, Pelletes usw.) verfünffachte sich von unter 500 Millionen Euro auf knapp 2,4 Milliarden Euro im Jahr 2012. 2012 wurden von Ihnen als Brennholzverfeuerer rund 1,2 Milliarden Euro für Scheitholz ausgegeben (Mantau, 2012).
    Gemäß Angebot und Nachfrage ergab sich auch eine Preissteigerung für das Scheitholz um rund 45% in den letzten zehn Jahren.
    Diese Preissteigerung resultiert allerdings nicht aus einer Holznoth heraus, denn die Biomasse Holz ist global gesehen nicht knapp. Denn längst wird der Brennholzbedarf nicht mehr durch die heimische Produktion abgedeckt. Wir Deutschen sind inzwischen Meister im Import. Von 80tsd Kubikmeter im Jahr 2002 stieg der Import auf  732 tsd Kubikmetern im Jahr 2013 (Eurostat 2015).
    Durch die weiten Transportstrecken geht dabei leider allerdings auch der Gedanke der umweltschonenden Nutzung der Biomasse verloren. So stammen 60% der Holz-Pellets für den privaten Haushalt aus Canada  und werden via Schiff importiert, sodass sich mittlerweile Transportrouten eröffnet haben, die denen großer Öltanker gleichen. (Osterhage, 2015).

    Biomasse als nachwachsender Energierohstoff ist im Trend. Dabei umfasst Biomasse alles, was wächst und vergeht sowie für den Privatgebrauch einigen Machbarkeitskriterien des Brennwerts, der Lager- und Transportfähigkeit entspricht. Für Privathaushalte sind Holz und Holzprodukte (Schnitzel, Pellets) die zumeist genutzte Biomasse, da kaum jemand Zugriff auf Speisereste, Fruchthülsen, Getreide, Gemüsepflanzen oder Schlachtabfälle hat.

    Die Förderung des Einsatzes von Biomasse als Energieträger bietet Vorteile für Klimaschutz und Versorgungssicherheit (es gibt keine Holznoth!), sie unterliegt aber auch den Markt- und Meinungsbildungsstrategien der Wirtschaft. Dies kann auch andere Interessen, wie die des Natur- und Umweltschutzes beeinträchtigen. Wir meinen: Die Nutzung von der Biomasse Holz sollte behutsamer vorangetrieben werden und stärker noch mit anderen Klimaschutzstrategien verbunden werden, wir z.B. in Form einer Kombination von Biomasse und Solarenergie. Dazu beraten wir Sie gern!

     

    Literatur:
    Helferich, N.N. (1867): Die Waldrente. In: Zeitschrift für die gesamte Staatswissenschaft, Bd. 23, H. 1. (1867), pp. 1-38.
    Kius, Otto (1868): Das Forstwesen Thüringens im sechszehnten Jahrhundert. In: Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik, Vol. 11 (1868), S. 81-198
    Mantau, U. (2012): Energieholzverwendung in privaten Haushalten. Marktvolumen und verwendete Holzsortimente - Abschlussbericht. Hamburg 2012
    Osterhage, W. (2015): Biomasse. In essentials. Die Energiewende: Potenziale bei der Energiegewinnung (pp. 23-28). Springer Fachmedien Wiesbaden.

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